nuART
Plattform für improvisierte Kunst

nu ART doppelkonzert >fragmented moments<

nu ART – Doppelkonzert

fragmented moments

5.11.2019, 20 Uhr

GEDOK Stuttgart

gefördert von

YonX

César Bernal (Chile) – Kontrabass

Nikola Lutz (D) – Alt- und Basssaxofon, Tárogató, Sarrusofon

Remmy Canedo (Chile, D) – Klangregie, Video

gramss/krennerich/levine

Sebastian Gramss – Kontrabass (Köln)

Andreas Krennerich – Sopranino -, Sopran– und Baritonsaxophon (Stuttgart)

Andrew Levine – Theremin, Synthesizer (Hamburg)

fragmented moments ist eine Begegnung zweier Ensembles, die auf ein zunächst einmal ähnlich erscheinendes Spektrum an Materialressourcen zugreifen. Beide kreisen um ein Saxofon bzw dem Saxofon ähnliche Blasinstrumente sowie einen Kontrabass, denen hier Video und computer-gesteuerte Live-Elektronik, dort ein Theremin/Synthesizer gegenübergestellt sind. Diese beiden Verkörperungen künstlerischer Materialzusammenstellungen sind jedoch auf unterschiedlichem Boden gewachsen, bei YonX im Grenzgebiet zwischen Neuer Musik und freier Improvisation, bei gramss/krennerich/levine in der frei improvisierten Musik, die ihre Wurzeln im europäischen Jazz hat.

Bei fragmented moments werden in der Gegenüberstellung Kontraste sichtbar. So stehen bei gramss/krennerich/levine transparent gesetzte Klänge in miniatur-artigen Räumen den energetischen Texturen von YonX gegenüber, die den Raum eher zu verdichten scheinen und ihn von momentanen Zentren aus zum Sprühen bringen. In improvisatorischen Begegnungen verschiedener Spieler aus beiden Gruppierungen entstehen Dialoge zwischen ästhetischen Gebieten. Wir finden uns auf einer Art Landkarte wieder, die auf direkten oder verschlungenen Wegen Jazz mit Neuer Musik verbindet.

Andererseits lässt ihr Annäherungspotential beide Klangkörper in gemeinsamen Räumen verschmelzen, so z.B. bei der Interpretation von Nikola Lutz’ „el perro amarillo“ (2018) für 2 Kontrabässe, Theremin und Saxofon, einem Werk, das ein Improvisatorenensemble in einen schwankenden Raum aus einem vierkanaligen Zuspiel stellt. Das Fieldrecording eines zu den surrealistischsten Geräuschen befähigten Pontons bildet die Basis für eine seltsame Klangwelt, in der sich das Ensemble entlang einer Art Hörpartitur behaupten muß. Schließlich greift YonX die Neigung von gramss/krennerich/levine zur Miniatur auf, indem beide Ensembles gemeinsam ebenfalls miniaturhafte musikalischen Grafiken von Nikola Lutz interpretieren.

fragmented moments ist eine spannungsvolle Reise zwischen musikalischen Polen, die das Publikum an den Genuss der Ambiguität im Grenzgebiet der Stilistiken heranführt.

YonX

Der Kontrabassist César Bernal, die Saxofonistin Nikola Lutz und der Komponist / Videokünstler Remmy Canedo treffen sich im Zwischenraum von Komposition und Improvisation. Bei YonX verbinden sie ihre Interessen an Körper / Instrument und Improvisation / Raum zu einem gemeinsamen Forschungsprozess an den Übergängen von komponierten und improvisierten Kunstformen.

Improvisation als Kunstform stellt den gelebten Moment in den Mittelpunkt und misst diesem eine entscheidende Position bei. Der hier kultivierte Zustand einer Entscheidungsfähigkeit im Kontakt mit sich selbst und einer Offenheit der Wahrnehmung jenseits einseitiger Fokussierungen stellt eine eigenständige und effiziente Methode zur Erzeugung ästhetischer Objekte dar, die eine Demokratisierung künstlerischer Handlungen fördert. In der radikalen Hinwendung auf den konkreten Moment erzeugt YonX Sprachgewinn für genau diesen konkreten Ort zu dieser Zeit, für diese Situation, für diese Subjekte, in dieser unserer Welt, die so vielleicht wieder mehr mit uns kommuniziert.

Durch die Erkundung von Indeterminismus, musikalischer Grafik und Improvisationskonzepten entführt YonX sein Publikum in ein energiesprühendes Abenteuer der Sinne.

gramss / krennerich / levine

Kontrabass und Saxophon, akustisch gespielt mit Bezugnahme auf Ästhetik und Spieltechniken der zeitgenössischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts von 2 Instrumentalisten, die ihre Wurzeln im aktuellen Jazz haben, begegnen den berührungslos gespielten, ausschliesslich elektronisch erzeugten Klängen des Theremin, das Andrew Levine kombiniert mit O-Coast-Synthesizer und Cracklebox.

Die Musik verschafft präzise gesetzten Einzelklängen viel Raum, ohne dass dadurch jemals die Linie reißen würde. In fragmentarischen Figuren nähern sich die Instrumente einander an bis zur Verschmelzung, um den Berührungsort sogleich wieder zu verlassen und den Klang im Eigenraum weiter zu spinnen. Ob lauschend oder kraftvoll zupackend, das Trio erweckt den Anschein eines Wesens, das auf drei Beinen eine seltsam fremde Bewegungsform praktiziert, in der es in den unwahrscheinlichsten Situationen stets die Balance wahren kann. Dafür ist die virtuose Kenntnis der Möglichkeiten der Anderen eine Grundlage, die jedoch nie zum Selbstzweck wird. Gesten, die ihren Jazzhintergrund nicht verleugnen, transformieren sich zu einer Sprache des 21. Jhds, in der das Trio transparente „Triloge“ entstehen lässt.